Auslandsjahr Bath 2006/07

Dienstag, Oktober 31, 2006

Cardiff

Sonntag waren wir (Stefan, Martin, Christoph et moi) in Cardiff. Cardiff ist die Hauptstadt von Wales. Wales ist der Teil des vereinigten Köngireiches in dem die Städte so komische Namen wie "Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyndrobwllllantysiliogogogoch" haben, was übersetzt bedeutet: "The church of St. Mary's in the hollow of the white hazel near the rapid whirlpool and the church of St. Tysilio's by the red cave".
Abgesehen von der komischen Sprache und den Städtenamen ist es jedoch ein schönes Land, und man brauch nur 3km aus der Hauptstadt (!) rausfahren, um in the Middle of Nowhere zu sein. Dort kann man nur noch Hügel und ziemlich viel Grün sehen.
In Cardiff selbst haben wir die Burg besichtigt, die teilweise Zimmerdekorationen im Wert von 3 Millionen Pfund hat, und die Bucht von Cardiff. Danach sind wir, wie schon erwähnt, noch in die Landschaft gefahren, um die größte Burg Wales zu suchen. Als wir sie gefunden hatten, war es leider schon 20 vor 6 und wir durften nicht mehr rein. Beim Rundgang um die Burg fanden wir aber raus, dass jemand vergessen hatte das Tor auf der Rückseite zu schließen. Im Burghof befand sich ein Galgen, und wir bekamen die Idee, dass das eventuell die Strafe für unerwünschte Eindringlinge sein könnte (man weiß ja nich wie die in Wales so drauf sind, weit ab von der Zivilisation). Da wir die durchschnittliche Lebenserwartungen der Deutschen in England nicht senken wollten, beschlossen wir daraufhin das Gelände zu verlassen.

Freitag waren Christoph und ich beim etwas weiter entfernten, dafür aber sehr viel billigeren Supermarkt Morissons. Unglücklicherweise kamen wir am Bier vorbei und stellten fest, dass die Bierpreise hier um einiges tiefer angesetzt werden. Nach kurzem Zögern und Gesprächen über die Wichtigkeit von Investitionen in die Zukunft, schlugen wir ein und kauften das überwältigende Angebot. 2x24 Dosen Carlsberg für unschlagbare 20 Pfund. Nach dem Bezahlen stellten wir fest, dass die Dosen schon ein ziemliches Gewicht habe, und wir wohl etwas voreilig gehandelt hatten. Aber da wir glücklicherweise echte Männer sind, und das Sprichwort "Lieber Frau und Kind erschießen, als ein Bier vergießen" irgendwo in meinem Hinterkopf rumgeisterte (auf English, of course), schleppten wir die Cases nach Huse. Ziemlich verschwitzt und mit zitternden Händen erreichten wir jedoch unser Lager. Nochmal werden wir es jedoch nicht tun. Lektion gelernt. Und die Moral von der Geschicht: verfalle deinem Bierdurst nicht...

Montag, Oktober 30, 2006

Bäume

Da ich ja nun mal in England bin, will ich ja auch soviel wie möglich von der Insel sehen. Das ist genau das gleiche wie mit den Jungs aus den Staaten, die nun einmal in Europa sind und sich hier alles ankucken. Im Gegensatz zu ihnen beschränken sich meine Ausflüge auf <= 150km, und nicht nach Paris, Athen und Rom. (Athen und Rom wollte Bryan sogar an einem Tag besichtigen...). Für Samstag hatte ich wieder mal einen Trip vom International Office gebucht. Da ich davon ausging, dass alle Trips die angeboten werden auch einen hohen Entertainment-Gehalt haben, hatte ich alle gebucht, ohne mich zu informieren was es eigentlich ist. Für Samstag hätte ich es besser tun sollen.
Die Attraktion hieß "Westonbirt Aboretum" und ist ein Wald. Bzw. es sind viele Bäume unterschiedlicher Herkunft, die irgendein reicher Typ mal vor 200 Jahren gepflanzt hat. Es ist äußerst langweilig durch dass Gelände zu gehen, obwohl mit der angeblichen Farbenvielfalt im Herbst geworben wird. Zum Glück waren die beiden Norweger mit und konnten meinen Vorrat an norwegischen Schimpfworten aufstocken.
Danach ging es in eine Stadt namens Cheltenham. Auf dem Weg passierten wir den aktuellen Wohnsitz von Prinz Charles. Das besten in Cheltenham war jedoch leider nur die Pizza bei Pizza Hut.

Eine tatsächlich gute Sache war die Crepe-Party die ein paar Franzosen letze Woche im nahegelegenen Carpenter House Wohnheim veranstalteten. Als wir ankamen war die Küche schon total überfüllt, und man hätte die Crepes in der Luft zubereiten können, so unglaublich heiß war es. Leider waren wir zu spät und ich bekam keinen Crepe ab. Einer der Franzosen, der die ganze Zeit am Grill stand, sagte mir, er hätte ca. 150 Stück zubereitet. Die Party weitete sich schnell auf Korridor und Zimmer aus, was die Security auf den Plan rief. Normalerweise sind keine Partys in Wohnheimen erlaubt, sondern nur "Social Gatherings" bis zu 12 Personen. Wir erklärten dem Schutzman dass wir so ca. 15 wären und fragten ob das Ok wäre. Da er von seiner Position nicht in die Küche schauen und die Massen sehen konnte, gab er sich damit zufrieden und ging. Der Resident Tutor, der nebenbei ein unglaublicher Schrank ist, ließ sich nicht so leicht abwimmeln, und wir mussten leider gehen.

Donnerstag, Oktober 26, 2006

Lachgas

Halloween steht vor der Tür. Hier wird es wie in den Staaten im größeren Stil als in Deutschland zelebriert. Die Tatsache, dass alle Mädchen die Gelegenheit nutzen sich ohne schlechten Gewissens als "Slutty Nurses" zu verkleiden, ändert nicht viel am sonstigen Aussehen. Von den meisten wird hier normalerweise sowieso das Model "etwas breiterer Gürtel" als Rock gewählt. Allgemein scheinen die Engländer auch ein anderes Gefühl für Temperaturen zu haben. Wenn ich in meiner Winterjacke über den Campus laufe ist es nicht ungewöhlich Leute in FlipFlops zu sehen.

Eine andere Angewohnheit der Briten ist es, aus jeder Situation Geld zu gewinnen. Man könnte ja denken, dass man für ca 200 Pfund Mitgliedsbeitrag für das Fitnessstudio auf dem Campus auch eine Aufbewahrungsmöglichkeit für seine Zivilklamotten gleichzeitig mitkauft. Dies ist jedoch nicht so. Die Locker kosten hier 20 Pence, genauso wie Benutzung der Föne (Föns?). Nun weiß ich auch, wie die Ausrüstung des Gym finanziert wird. Ich möchte gar nicht wissen, wieviel es gekostet hat, alle Geräte mit dem zentralen Computer zu verbinden, an dem man sich mit seiner persönlichen ID einloggen kann, sein Fitness Programm für den heutigen Tag auswählen kann um es dann an den Geräten mit Feedback abzuarbeiten.

Wie schon mal erwähnt wird das Studio auch im großen Stil von den Rugby Manschaften der Uni genutzt. Man kommt sich da schon ziemlich erbärmlich vor, wenn die Typen nochmal das dreifache auf die Stange draufladen an der man selber gerade die letzten Wiederholungen nicht mehr geschafft hat. Gestern entdeckte ich jedoch das Geheimnis ihrer phänomenalen Stärke. Als ich zurück in die Umkleide ging, sah ich einen Rugby Spieler auf der Bank sitzen und genüsslich braunes Pulver aus einer Packung mit der Aufschrift "Cyclone Power" o.ä. in sich reinschaufeln. Würde mich auch nicht wunderen wenn einige mit der Frau Bolika schon per Du sind.

Vorhin kam hier auch eine Einladung des Electrical Engineering Departments in meine Inbox geflattert. Alle E-Techniker sollen Halloween in den Club Qube kommen, dort findet eine Halloween Party der E-Techniker aus allen Jahre statt. Es folgte eine Beschreibung der besonderen Offer wie Bier für 1 Pfund, Free Trick or Treat Candy und ähnliches. Die folgende Bemerkung machte mich jedoch stutzig:
"There's laughing gas there too, and if you haven't tried it.. you just have to!"
So werden die Etechniker hier also bei Laune gehalten. Ich werde es als Vorschlag bei der RWTH einreichen, sobald ich wieder zuhaus bin.

Oxford Fottos

Hier sind noch ein paar Photos vom letzten Trip nach Oxford.





Ein Teil der Bibliothek. Venedischer Stil


Die Kathedrale des Christ Church College


Hauptgebäude des CCC


Der Garten des Colleges



Noch ein ziemlich wichtiges College, in dem nur Postgrads erlaubt sind. Außerdem darf man nur eintreten wenn man eingeladen wird.

Dienstag, Oktober 24, 2006

Barber

Ich wollte es eigentlich so lange wie möglich hinauszögern, doch irgendwann musste es dann auch mal geschehen. Ich war also bei einem englischen Frisör. Bzw. türkisch, aber in England.
Christophs Angebot meine Haare mit seinem Bartschneider auf windschnittige 12mm zu trimmen schlug ich aus. In die Engländer-Brutstätte auf dem Campus, in die normale Menschen mit normalen Frisuren reingehen und als Engländer wieder rauskommen, traute ich mich auch nicht. Angelockt durch das Schild "Student Discount", wählte ich den kleinen Barber-Shop am Bahnhof. Trotz Student-Discount kostet der Spaß hier nach aktuellem Wechselkurs ca. 17 Euro.
Nachdem ich bestimmt 5 Minuten erfolglos versucht habe meinem Henker klarzumachen was ich wollte, fand ich zum Glück ein Bild mit einem Haarschnitt, der einigermaßen in Ordnung gewesen wäre. Er sagte nur "Ahh, good good, short", und legte los. Entweder war seine Wahrnehmung stark eingeschränkt, oder wir meinten verschiedene Bilder, jedenfalls sehe ich jetzt aus wie eine raubkopierte, russische Version des neue James Bond.
Nächstesmal werde ich dann eventuell doch die 12mm wählen...

Samstag, Oktober 21, 2006

Oxford

Hier mal ein informativer Beitrag zu Oxford. Wir waren heute in einer der ältesten Universitätsstädte überhaupt. Die University of Oxford besteht aus 39 Colleges, die über die ganze Stadt verteilt sind. Ein College besteht im Grunde aus Schlaf und Esssälen für die Studenten, einer Bibliothek und einer Kathedrale. Vorlesungen werden in den Fakultätsgebäuden gehalten, die ebenfalls in der ganzen Stadt zu finden sind.
Uns wurde gesagt, dass nur die Besten der Besten nach Oxford kommen und man nach Preselektionen nach Abinoten noch diverse Interviews über sich ergehen lassen muss, bis man einem College zugewiesen wird und einen eigenen Tutor bekommt. Dann kann man sich jedoch in der Reihe der goßen Männer einordnen, wie z.B. Bill Clinton der ebenfalls in Oxford studierte, oder die 13 Prime Minister die alleine das Church College formte.

Da wir in England sind kommt man auch hier nicht um irgendwelchen Harry Potter related Kram herum. Ich habe mir zum Beispiel sagen lassen, dass der Essenssaal des Christ Church Colleges das Modell für den Saal im Film war und das angeblich die große Treppe im Film (???) sich ebenfalls in den Gebäuden befindet.
Oxford hat die größte Bibliothek, und es musste schon mehrmals angebaut werden, damit alle Bücher untergebracht werden können. Da der Typ, der die Bibliothek gebaut hat so einen komischen Deal gemacht hat, dass die Uni von jedem Buch, das in England gedruckt wird, eine Kopie bekommt, kommen hier jeden Mittwoch 5000 neue Bücher an.

Donnerstag, Oktober 19, 2006

Who said you need balls to play rugby.

Heute gab es einen Feueralarm, im Bus! Wir befanden uns gerade auf halber Höhe vom Berg, als ein total schriller Ton das sowieso schon schrille Motorgeräusch übertönte. Der Busfahrer zwang alle Leute auszusteigen und ging zur Heckklappe hinter der sich der Motor befindet (?). Nachdem er irgendwas unverständliches nuschelte konnten alle wieder in den Bus steigen und die Fahrt ging zum Glück weiter. Nach ca. 20 Sekunden fing der Alarm jedoch wieder an. Der Busfahrer ignorierte ihn jedoch und wir fuhren mit dieser Tinitussimulation (höchsten Grades) einfach weiter. Ich (und so ziemlich alle anderen normalen Menschen) stieg an der nächsten Haltestelle aus, da mich die Situation zu sehr an den Film Speed erinnerte, und ich ungerne im Bus sein wollte wenn er explodiert.
Es ist jedoch beachtlich, dass sogar die Busse hier mit Feueralarm ausgestattet sind. Dies bestätigt wieder meine Theorie, dass die Briten panische Angst vor Feuer haben. Warum kannte man dieses Vorurteil nicht vorher? Die anderen Vorurteile werden eigentlich alle erfüllt; jedoch habe ich auch erst eine stereotypische, rassige Britin - 190cm, 100kg, rote Haare und natürlich betrunken - gesehen. Das "Damen" Rugbyteam der Hochschule ist aber auch extrem angsteinflößend. Ihr Slogan auf der Sportsfair lautete: "Who said you need balls to play rugby", was mich an "Mrs Man" aus Scary Movie erinnerte.

Eine andere Sache, die mir aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass von den englischen Studenten ziemlich viel Eigenarbeit gefordert wird. Es wird erwartet, dass sich der englische Student nach der Uni vor den Computer oder in die Bibliothek setzt, und selber zum Thema recherchiert. Das ist auch der Grund, warum alle meine Vorlesungen aus zweimal 50 Minuten pro Woche bestehen. Der Lecturer gibt jedoch immer seine Präsentationssheets raus (es gibt kein Script), auf denen Hinweise zu weiteren Ressourcen sind, die man sich ankucken sollte. Übungen gibt es im 3. und 4. Jahr gar nicht. Außerdem muss man in manchen Vorlesungen eine Coursework anfertigen, die im Etechnik-Bereich aus irgendwelchen Matlab Programmierungen besteht...

Am Samstag Morgen gehts nach Oxford. Dort werde ich erstmal ein paar Verbesserungsvorschläge zur Englischen Sprache einreichen;)

Montag, Oktober 16, 2006

Die versprochenen Bilder

Heute ist Montag, d.h. ich habe keine Vorlesung und daher ein bisschen Zeit, um einige Bilder der letzten Trips ins Netz zu stellen.
Als erstes der Trip vom letzten Wochenende nach Stratford upon Avon, der Geburts und Todesstätte von Shakespeare.



Da meine Kamerabatterie im Laufe des Tages in die Knie ging, habe ich leider nur unspektakuläre Bilder von Warwick Castle. Ich werde mal mit den anderen Leuten tauschen.



Und schließlich Fotos von ein paar Steinen... wobei der Beweis, dass ich da war, natürlich nicht fehlen darf.





Zum Schluss noch ein Bild von meinem Zimmer, auf dem meine Butler zu sehen sind, wie sie alles für meine Ankunft herrichten.

Sonntag, Oktober 15, 2006

Alte Steine

Heute waren wir bei der bekanntesten Sehenswürdigkeit Englands - Stonehenge. Wir, dass heißt ziemlich viele Deutsche, zwei Franzosen und eine Texanerin, fuhren die 40 Meilen von Bath nach Amisbury in zwei Autos. Die Sehenswürdigkeit ansich ist schon ziemlich enttäuschend, da es tatsächlich nur ein Haufen alter Steine ist, die man noch nicht mal berühren darf, sondern alle Besucher in einem Pfad um die Stätte herum geleitet werden. Vielleicht ist das aber gar nicht so schlecht, da bekanntlicherweise Chinesen immer alles anpacken müssen, und bei den Massen an Chinesen die sich Stonehenge ankucken der Abrieb an den Steinen so groß wäre, dass nicht mehr viel davon übrig wäre.
Auf das Gelände gelangt man durch einen Tunnel an dessen Eingang ein Schild sagt: "Stellen Sie sich vor, sie betreten eine andere, magische Welt...". Es ist jedoch sehr schwierig sich das vorzustellen, wenn das Gelände umzäumt ist und noch dazu zwei sehr stark befahrene Straßen direkt daran vorbeiführen. Ich glaube auf jedem meiner Fotos ist mindestens ein Auto mit drauf. Es ist geplant, eine von den beiden Straßen ganz zu schließen, und die andere durch einen Tunnel unter dem Gelände durchzuführen.

Meine Empfehlung lautet (falls jemand sie in den ADAC Reiseführer aufnehmen möchte): Wenn man schon in England wohnt, und die Stätte so nah ist, muss man mal da gewesen sein. Für einen Trip o.ä. würde ich es jedoch nicht empfehlen.
Danach sind wir noch nach Salisbury gefahren, um uns die Stadt anzukucken. Nette Stadt, hohe Kathedrale, kalt, Kaffee teuer.

Gestern habe ich in einer Freistunde zwischen zwei Vorlesungen die Räumlichkeiten der Bibliothek erkundet. Im First Level befidet sich eine "Sitzsacklandschaft", Kissen und kleine Tische an denen man lesen kann. Da ich zufällig einen freien Sitzsack fand, chillte ich mich hinein, fing an zu lesen und bin dabei irgendwie eingeschlafen. Die Teile sind echt gemütlich.
Wir müssen uns immer noch daran gewöhnen, dass es hier üblich ist, schon ab 4 im Pub zu sitzen und die Flinte anzusetzen. Wenn wir um 9 in die Stadt gehen, schließen die meisten Bars und Clubs in 3 Stunden. Diese Britische Taktik ist jedoch auch nicht schlecht, da man immer genügend Schlaf bekommt, und relativ fit ist.
Morgen hat das International Office einen Trip zum schwedischen Möbelhaus in Bristol organisiert. Alle Fresher müssen ihre On-Campus dorms schön einrichten, da sie ja für 4 Jahre im diesem Zimmer wohnen werden. Deshalb gab es auch in den ersten Wochen Poster und Zimmerpflanzen Verkäufe auf dem Campus. Da ich aber nur für ein Jahr hier bin, und ich noch nicht weiß ob ich im gleichen Zimmer bleibe, werde ich mir nischt kaufen.
So liber tagesbuch, dass wares erstmal...
Dein Lukaaas

Donnerstag, Oktober 12, 2006

Liberté - Egalité - Fraternité

Dienstag Abend wollten wir im so genannten "International Cafe" was essen. Wir hatten nämlich auf unsere Resident Induction einen Flyer gesehen, der sagte, dass es dort ein Free Buffett gibt. Und da nach unserer Mentalität jegliches Essen, welches free ist auch gut sein muss, hielten wir uns den Dienstag Abend dafür frei. Als wir mit leerem Magen in der Baptism-Church eintrafen, in deren Räumen das "Buffett" stattfinden sollte, zerbrach unsere Illusion. Wir waren die Einzigen in einem kleinen, irgendwie komisch riechendem Raum, in dem wenige Tische mit Popcorn und Chips standen. Von richtigem Essen war weit und breit nix zu sehen. Gutgläubig wie wir sind, warteten wir jedoch in der Hoffnung, dass das Essen irgendwann geliefert würde...
Wir wurden schnell in Konversationen verwickelt, doch die meisten schafften es sich daraus zu befreien und nach draußen zu gelangen. Alle von uns die nun draußen warteten, beschlossen wo anders was zu essen. Das einzige Problem war nur noch, dass Bastian gefangen war (in einer Konversation), und die Jungs aus States, die mit uns da waren, dem amerikanischen Prinzip folgten, nie jemanden zurückzulassen. Schließlich konnte er sich aber dennoch befreien (leider nicht mit dem TV Total Spruch "Ich muss weg"), und wir gingen ins Wetherspoons, dem so ziemlich billigsten Pub in Bath (da Rauchverbot).
Francois durfte leider nicht bleiben, da er nur seinen kanadischen Führerschein ohne Hologramm mithatte und er sich somit nicht ausweisen konnte. Als dann alle ihre Führerscheine verglichen, stellte sich heraus, dass Bryan (Texas) wie Justin Timberlake und ich wie die weiße Version von Will Smith in Prinz von Bel Air aussehen (wegen den Haaren). Ich weiß nicht was besser ist.

Die Franzosen, die in Block B unseres Wohnheims hausen, schafften es gekonnt die komplette Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, als sie am selben Abend in ihrer Küche kochten und dabei wohl ziemlich viel Alkohol konsumierten. Einer von ihnen hatte die extrem pfiffige Idee auf die Straße zu schiffen, warum auch immer... Leider kam gerade in diesem Augenblick ein Polizeiwagen vorbei der den Franzosen mal gleich einsackte und mit auf die Wache nahm. Für 80 Pfund (hehe) durfte er dann jedoch wieder gehen.

Mittwoch, Oktober 11, 2006

Alltag

So langsam kommt der Alltag hier durch. Mein Tagesablauf besteht nun wie gewohnt aus Uni, Sport und Abends vielleicht mal ein oder 4 Bierchen. Bis Freitag muss ich mich auch festgelegt haben, welche Units ich nun belegen will und dann ist die Routine unaufhaltsam.
Wir haben eine Abkürzung zum Campus gefunden, die am Kanal, dann an einem Friedhof und an ziemlich vielen, steil aufwärts gehenden Wiesen vorbeiführt. Ich denke ich werde wohl jeden Freitag von ihr Gebrauch machen, wenn es quasi unmöglich ist, an unserer Haltestelle in den Bus zu kommen. Der Friedhof ist schon ziemlich alt. Die meisten Gräber sind aus dem 19. Jahrhundert und alle Grabsteine und Särge sind umgekippt oder zerbrochen. Erstaunlicherweise ist das Eingangstor gut geölt.
Christoph trifft am Samstag eine Freundin aus Deutschland, die in einem Supermarkt in Bath arbeitet. Eventuell können wir ihre Mitarbeiter Discount Karte benutzen um die luxuriösen upperclass Preise in diesem Kurort zu umgehen. Ihr Chef könnte sich vielleicht wundern warum der Bierkonsum einer schwangeren Frau dermaßen ansteigt, aber deutsche Studenten müssen bei Laune gehalten werden. Wir haben unseren Ruf in der Tat schon soweit ruiniert, dass wenn uns ein Mitbewohner vom Einkaufen heimkehren sieht, und wir kein Bier gekauft haben (was auch mal vorkommt), er uns fragt, ob alles ok ist...
Mein kanadischer Roomy hat es immer noch nicht fertig gebracht sein Bett vernünftig zu beziehen. Ich hätte spätestens an dem Punkt, wo er das Laken für die Bettdecke auseinanderreißen musste um es über seine Matraze zu bekommen (und es trozdem viel zu kurz ist) gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Aber vielleicht ist das in Kanada so üblich.
Durch einen glücklichen Zufall haben wir die Quelle des unerträglichen Lärms herausgefunden, der regelmäßig jeden Tag von 10 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends in Christophs Zimmer zu hören war. Wir trafen eine Nachbarin, die in einem anderen Flat wohnt, aber die gleiche Wand mit Christoph teilt, am Montag im "Huntsman" (Pint 1,50). Sie erzählte uns, dass ihre Küche kein Fenster habe, dafür aber einen riesigen Abzug, der so laut ist, dass die Mädels in ihrer WG ausgemacht haben, ihn nur von 10 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends laufen zu lassen. Jetzt müssen wir sie nur noch auf eine Stunde pro Tag runterhandeln.
Ich habe es geschafft, mich für alle Trips des International Office anzumelden, und werde dann demnächst nach Oxford, London, Exeter und noch irgendwo hin fahren. Fotos vom letzten Wochenende gibt es natürlich auch noch mal irgendwann.

Montag, Oktober 09, 2006

Two beer or not two beer

Obwohl ich es verpennt habe, mich für den Trip nach Stratford upon Avon und Warwick Castle anzumelden, konnte ich doch mitfahren, da mir Stefan, ein Maschbau Student aus Aachen sein Ticket verkaufte. Stratford ist 2 Stunden Busfahrt von Bath entfernt und ist die Geburtstätte von William Shakespear. Wir hatten 3 Stunden um uns die Stadt anzukucken; genug Zeit um das Elternhaus und die Grabkirche des Typen zu besichtigen, dem wir Hamlet und anderen Quälereien in der Schule zu verdanken haben.

Danach fuhren wir 8 Meilen weiter zum "Finest Medieval Castle of England". Die Burg ist schon ziemlich cool, und ich hab beschlossen König zu werden, wenn ich groß bin (bzw. Mischung aus Hugh Heffner und König).
Wieder in Bath angekommen, wurde mir erstmal klar, was für Leute hier neben den Studenten wohnen... auf dem Parkplatz stand ein modifizierter, ca. 12 m langer Hummer H2, den ich natürlich sofort zu meinem Dienstwagen meiner baldigen, königlichen Ausflüge (inkl. Playmates) deklarierte.

Im Moment leiden hier alle neuen Studenten am "Freshers Flu", und man hört überall auf dem Campus Husten und Niesen. Ich bin eigentlich soweit davon verschont geblieben, und bleibe es hoffentlich auch noch. Während den Busfahrten zum Campus hoch und runter (man bekommt übrigens bei jeder Fahrt runter Druck auf den Ohren, so hoch ist der dumme Berg), ist mir aufgefallen, dass es hier üblich ist, sich beim Busfahrer zu bedanken. Dies kann man mit einem gewöhnlichen "Thank you." erledigen, oft wird jedoch auch "Cheers Driver." benutzt.
Ich weiß jedoch nicht auf was sich der Dank bezieht, könnte jedoch die Tatsache sein dass er außnahmsweise nicht die komplette Kundschaft im Bus totgefahren hat. Im Moment habe ich dieses Ritual noch unter der Kategorie "seltsame britische Gewohnheiten" eingeordnet, obwohl deutsche Rentner ja auch mal ganz gerne bei der Landung klatschen, wenn der Pilot die Maschine in einem Stück von Gran Canaria nach Düsseldorf überführt hat.

Samstag, Oktober 07, 2006

Lacock Abbey

Hier sind ein paar Bilder vom Trip nach Lacock Abbey, dem Ort wo Harry Potter gedreht wurde. Ansich nichts spektakuläres, aber sieht schon gut aus da. Leider habe ich verpennt mich für den Trip zur Burg in Warwick anzumelden, ich werde aber definitv alle anderen Trips vom International Office nach Oxford, London etc. buchen, da man wahrscheinlich nicht billiger dort hin kommt.


Sport & Socs Fair

Montag war Sports Fair. Alle Sportclubs die es an der Universität gibt hatten einen Stand in der Sporthalle aufgebaut, und man konnte sich über die Sportart informieren, und dem Club beitreten. Da Bath angeblich die zweit beste Sportuniversität in England ist, war die Auswahl riesengroß. Es gab natürlich den Rugby Club, American Football, den Boats Club und Tennis. Aber auch obskure Sachen wie dem Lifesaving Club, die ein riesiges Bild von David Hasselhoff an ihrem Stand hatten.
Am Dienstag folgte dann gleich die Societies Fair, eine Messe für alle "AGs" die man an der Uni belegen kann. Die beiden Norweger, die ich in der ersten Woche kennengelernt habe und deren Plan es ist jede Biersorte zu trinken und sie in einem kleinen Buch zu bewerten (welches schon beachtlich gefüllt ist), sind der Ale Soc und der Wine Soc beigetreten. Es fehlt nur noch die Society der nicht anonymen Alkoholiker.

Am Dienstag Abend hatten wir unsere Resident Induction, wo wir auf alle Sachen hingewiesen wurden die wir während unseres Aufenhaltes im Wonheim beachten müssen. Die Briten haben unglaubliche Angst vor Feuer und Einbrechern. Wir wurden bestimmt 20 mal darauf hingewiesen, niemals die Brandschutztüren zu unseren Zimmern aufzulassen.
Es ist sogar ein Bußgeld von 25 Pfund zu zahlen wenn man erwischt wird. Da die blöden Türen auch immer automatisch zugehen, mussten wir Ingenieure erstmal eine Möglichkeit rausfinden die Türen aufzuhalten, ohne wertvolles (und rares) Sitzmaterial zu verschwenden. Stühle gibt es in der Tat viel zu wenig in unserer Wohnung. Im Moment helfen uns Löffel und Gabeln, die wir unter die Türen geklemmt haben unsere Cross-Room-Communication aufrecht zu erhalten.

Freitag, der einzige Tag an dem ich um 9 zum Campus hoch muss, war natürlich tropischer Regen angesagt. Ich bewaffnete mich mit einem Regenschirm, und ging zur Haltestelle, die ca 750 Meter von unserem Wohnheim entfernt ist. Es warteten schon über 50 Leute an der Haltestelle, und da die Engländer "Queueing" lieben, standen auch alle schön säuberlich in einer Reihe. Zum Glück fand ich Brian ziemlich in der Mitte der Schlange stehen, und stellte mich unauffällig dazu. Nachdem aber 3 Busse total überfüllt einfach an der Haltestelle vorbeifuhren, entschieden wir uns troz sinnflutartigem Regen den Berg hochzulaufen. Oben angekommen konnte man nicht mehr sagen, ob es Regen oder Schweiß war der unsere Klamotten durchtränkte. Ich werden demnächst also Freitags schon immer früher aufstehen müssen...

Mittwoch, Oktober 04, 2006

And thats the beauty of the box...

Manche ausländische Angewohnheiten und Verhaltensweisen sind schon gewöhnungsbedürftig. Brian, mein kanadischer Flatmate, kam gestern stolz aus der Stadt zurück und hatte Dosensuppe und eine Tuppabox gekauft. Als er uns dann erklärte, dass er die Dose als Lunchbox und als Suppenschüssel verwenden könnte, waren wir schon etwas verwundert.
Aber er kippte seine Suppe tatsächlich in die Plastikdose,packte sie für 5 Minuten in die Mirkowelle und genoss seine Suppe hinterher daraus.
Heute morgen fand ich ihn in der Küche, als er seine Frosties aus der Dose schlürfte, und mir mit glänzenden Augen erzählte: "And thats the beauty of the Box... you can do everything..." Danach packte er eine Orange in die Dose und ging zur Uni.

Einer gewissen Nationalität wird ja auch hinterhergesagt, dass sie gerne kopieren würden. Als ich hier ankam, wurden wir immer wieder darauf hingewiesen, das Plagiarismus hier ein ernst zu nehmendes Thema ist, und es gab Seminare "How to avoid Plagiarism". Ich als Ingenieur hab mir nur gedacht, "Wofür das ganze, ich bin Ingenieur, ich kann nicht kopieren..." Als ich dann meinen Department Koordinator darauf ansprach, erklärte er mir, dass es halt diese Meschen einer gewissen Nationalität gebe, die sich gerne in Gruppen zusammenrudeln und deren Aufsätze nicht unterscheidbar sind. Es ist also nicht nur ein Stereotyp...

Cheers Mate!

Ich stellte fest, dass man hier Schulenglisch wie "You're Welcome" oder "Thank You" getrost vergessen kann. Der Durchschnittsbrite hier in Bath sagt einfach "Cheers mate" und die Sache ist gegessen. Diese zwei Worte werden in fast jeder Situation benutzt, und die jüngere Generation hat sie in "Cheers dude" umgewandelt. Als ich es zum ersten Mal im Supermarkt bei der Kleingeldrückgabe hörte, war ich schon ziemlich verwundert. Aber im Laufe der Zeit gewöhnt man sich schon dran. (Ist mir sogar auch schon das ein odere andere Mal entschlüpft).

Eine weitere Sache, die wohl gewöhnungsbedürftig ist, ist das Recycling System. Obwohl gewöhnungsbedürftig, ist es doch sehr einfach: Alles was recycelbar ist kommt in eine Tonne. Sprich Papier, Glas und Plastik kommen zusammen in einen Behälter.
Was die Briten im Recycling jedoch verpennt haben, holen sich meiner Meinung in den Serviceleistungen wieder raus. Wie ich schon in einem früheren Blog erwähnte, ist der gesamte Campus um die Library/Learning Center gebaut, und die Library Card spielt eine zentrale Rolle. Man kann einfach alles mit dieser Karte machen. Man läd Geld auf die Karte und kann sie zum kopieren nutzen, man läßt sie freischalten und kann dann alle Bereiche zu denen man Zugang benötigt, mit dieser Karte erreichen, und sogar die Fitness Suite hat einfach meine Karte erweitert, und ich kann nun mit dieser alle Sporthallen etc erreichen.
Das WLan auf dem Campusgelände kann auch zum guten Service gezählt werden. Hier existieren komische Barrieren wie VPN o.ä. nicht. Ich musste einfach einem Mitarbeiter vom Computer Team die MAC Adresse meines Palms mitteilen, und nun kann ich überall auf dem Campus mit meinem Palm surfen und Emails empfangen. (In Aachen so ziemlich unmöglich)

Aber genug geschwärmt. Schließlich ist heut "German National Day", worauf mich Francois, ein weiterer Kanadier hier im Wohnheim aufmerksam machte, und Deutschland schneidet in der Gesamtnote eindeutig besser ab. (Auch wenn Jonny Depps Tochter hier zur Schule geht)

Montag, Oktober 02, 2006

Fotos





Ein Blick aus meinem Parterre Fenster
Mein Wohnheim von der Strasse aus gesehen
Bath Abbey von weitem


Bath Abbey von Platz vor dem Roman Bath aus gesehen.

Sonntag, Oktober 01, 2006

Free Food

Gestern war unsere erste BBQ Party im Wohnheim, und es gab Burger und Softdrinks. Da alles umsonst war, und gestern auch ziemlich viele Wohnheimsfremde Leute da waren, hatten wir heute die geniale Idee einfach zu einem der anderen Wohnheime zu gehen, und dort einen "Free Burger" zu genießen. Wir hörten, dass im Canalwharf Wohnheim ein BBQ stattfinden sollte, und dachten uns, dass es nicht weiter auffällt, wenn wir uns einfach dazustellen. Als wir unsere Burger hatten, merkten wir, dass wir die einzigen weißen Leute waren, und alle anderen uns komisch ankuckten.
Es stellte sich heraus, dass das Wonheim nur für asiastische Studenten ist, und wir es somit geschafft haben, unseren Ruf in weniger als einer Woche zu runinieren.

Ich habe heute auch erfahren, dass Jonny Depp ein Haus in Bath gekauft hat, und angeblich auch hier wohnen soll. Studenten haben ihn auch schon öfter in Pubs gesehen. Ich hoffe ich werde dann auch das ein oder andere Mal mit Captain Jack Sparrow ein Pint trinken gehen.